»Shut Down Tierindustrie« –

Von Milu-Vegan

Ein Statement zum Fall Tönnies, Massentierhaltung und Fleischkonsum in Deutschland

Dieses Statement dient unserer Solidarisierung mit der aufkommenden Anti-Fleischindustrie-Bewegung. Wir als kleines Unternehmen, wollen kurz auf den Konzern Tönnies eingehen und im Anschluss unsere Stellungnahme zum Fall darlegen. 

In den letzten Tagen ist der mega Fleischfabrikant Tönnies zunehmend in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Seit dem 29. Juni steht die Fabrik der Zweigstelle Gütersloh still, nachdem sich innerhalb von vier Tagen über 1500 Angestellte und Menschen aus deren Umkreis mit dem Corona Virus ansteckten. Das entspricht der höchsten Steigerung von Covid 19 in Deutschland während der gesamten Pandemie. Der Produktionsstopp soll nun vorerst bis zum 17. Juli andauern, doch bislang kann keine genaue Prognose abgegeben werden, ob an diesem Termin festgehalten werden kann. 

Nun mussten 7000 Menschen im Kreis Gütersloh in Quarantäne. Für negativ getestete Arbeiter*innen gab es Arbeitsquarantäne, das heißt sie durften sich nur zwischen ihrem Wohnort und der Fabrik hin und her bewegen.

Doch die Affäre Tönnies ist komplex und es stehen sich zwei Kontroversen gegenüber: auf der einen Seite die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und auf der anderen Seite der ethische Aspekt der Zuchttiere. So wird ein altbekanntes Dilemma durch die neue Pandemie wieder zum Vorschein gebracht. 

Allgemein macht die Viehzucht weltweit fast 15% aller Treibhausgase aus, 43% des weltweiten Wasserverbrauchs und ist zudem für 80% der Rodung des Amazonas verantwortlich. Die deutsche Fleischindustrie, als die größte in Europa, trägt dazu einen enormen Beitrag. Allein bei dem Privatbetrieb Tönnies werden durchschnittlich pro Tag ca. 25.000 Schweine geschlachtet. Im Jahr 2016 waren es ganze 20,4 Millionen mit einem Umsatz von geschätzten 6,35 Milliarden Euro.

Davon profitiert aber mehr Clemens Tönnies, als seine Arbeiter*innen in der Produktion. Das Gesamtvermögen des Familienunternehmers wird auf gute 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Die Menschen in den Fabriken hingegen sind in vielerlei Hinsicht schlechten Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Immer wieder Stand Tönnies in der Kritik wegen Nichtzahlung von Gehältern. Offiziell erhalten die Angestellten wohl den Mindestlohn, jedoch handelt es sich bei der Mehrheit der Fabrikant*innen um osteuropäische Gastarbeiter*innen, die schlechter bezahlt werden, keine Krankenversicherung haben und denen im Krankheitsfall eine Kündigung droht. Darüber hinaus wohnen diese Menschen Nahe der Fabrik auf relativ engem Raum mit ihren Kolleg*innen zusammen, wodurch sich Viren noch leichter verbreiten können. Die Angestellten haben große Angst über diese Zustände zu berichten. Erst vor einigen Tagen wurde eine Mitarbeiterin, die ein Video der Tönnies Kantine ins Netz stellte, das deutliche Verstöße gegen die Corona Maßnahmen zeigte, gefeuert. Berichten zu Folge wird den Angestellten immer wieder nahegelegt über die Situation zu schweigen 

Nun ist eine gewaltige Welle von Aktivismus zu spüren, die die politische Landschaft überkommt. Angefangen mit der Demonstration in den frühen Morgenstunden am 4. Juli des Bündnisses “Gemeinsam gegen die Tierindustrie”. Aktivist*innen demonstrierten vor dem Betriebsgelände des Tönnies-Konzerns in Rheda-Wiedenbrück gegen Schlacht- und Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie und forderten eine dauerhafte Schließung des Betriebs. Einige erklommen das Dach des Gebäudes und hissten ein Transparent mit der Aufschrift „Shut Down Tierindustrie“. Zudem wurde die Hauptzufahrtsstraße blockiert. Darüber hinaus hat Fridays for Future eine Petition ins Leben gerufen, die den Rücktritt von Clemens Tönnies fordert und eine weitreichende Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Fleischproduktion. Genauer heißt es: “Diese Mindestanforderungen sollten für den Betrieb des millionenschweren Unternehmers eine Selbstverständlichkeit sein, keine Wohltat. Lasst uns gemeinsam das System-Tönnies in der deutschen Fleischindustrie beenden.”

Dem schließen wir uns an. Wir von MiLu vegan sehen in den folgenden Punkten eine Möglichkeit zur Verbessrung der oben genannten Misstände: 

  • Geltendes Tierschutzrecht muss durchgesetzt werden! 
  • Eine Steuer für CO2 ind der Fleischindustrie sollte eingeführt werden!
  • Es sollte eine Fleischsteuer auf Fleischprodukte für Verbraucher*innen geben!
  • Haltungskennzeichnung auf Fleischprodukten sollten eingeführt werden!
  • Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie müssen verbessert werden, dazu zählen wir: Zahlung des Mindestlohns und die dringliche Einhaltung der Corona-Maßnahmen!

Zudem rufen wir zur Beteiligung an der Demonstration „Das Schlachten beenden – bei Tönnies und überall!“ auf, am 11. Juli um 14 Uhr auf dem Marktplatz Weißenfels!

Das System der (Billig)Fleischindustrie funktioniert nur durch Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt, wie der Fall Tönnies zeigt. Wir sollten alle unseren Konsum reflektieren und uns bewusst machen, wie sich vermeintlich kleine Alltagstätigkeiten auf unser und das Leben anderer auswirken. Oder in den Worten von Karen Duves gesprochen: “Es gibt kein Fleisch von glücklichen Tieren, nur von toten.” 

Euer Team von Milu Vegan

Quellen: