Ist das vegan oder schon halal?

Von Milu-Vegan

Über Veganismus im Islam

Islam und unsere vegane Ernährung – Freunde oder Feinde? Das haben wir uns schon länger gefragt. Denn religiöse Gründe für ein fleischfreies Leben werden von Veganer:innen selten genannt. Dabei nimmt der Islam, aufgrund seiner spezifischen Formulierungen zum Essen im Koran, eine besondere Stellung ein, die es wert ist, genauer betrachtet zu werden. 

vegane Ernährung halal
vegane Ernährung halal

Veganismus hat sich in westlichen Kulturen vor allem auf Grund seiner nachhaltigen und ethischen Gründe etabliert. Doch auch religiöse Gründe können als Rechtfertigung einer solchen Lebensweise immer wieder herangezogen werden. Das betrifft auch den Islam. Doch Veganismus scheint häufig Widersprüche bei Muslim:innen zu beschwören, sodass vegane Ernährung in der muslimischen Community noch einen relativ unscheinbaren Teil ausmacht. Wie gut eignet sich also vegane Ernährung für Muslim:innen? Gibt es vielleicht sogar religiöse Gründe, sich eben dieser Lebensweise hinzugeben? Und können vegane Fleischersatzprodukte wie Seitan automatisch als „halal“ bezeichnet werden? 

Tendenz veganer Muslim:innen steigend

Allgemein ist eine steigende Tendenz muslimischer Veganer:innen zu beobachten, da sich Veganismus, so viel vorweg, gut mit dem Koran vereinbaren lässt. Das alltägliche Leben wird im Islam von der Scharia bestimmt, in der die islamischen Grundsätze formuliert sind. Aus der Schrift ist somit auch die göttliche Ordnung der Speiseangebote zu entnehmen, die ausdrückt, welche Nahrungsmittel und Produktionsbedingungen erlaubt sind. 

Kann sich also aufgrund der göttlichen Bestimmungen eine „vegane Frage“ im Islam stellen? Dazu sagt die Autorin und muslimische Veganerin Hilila Sezgin deutlich: Ja, das kann sie! Für Sezgin entstand der Veganismus aus ihrem muslimischen Glauben heraus. Denn in verschiedenen Hadithen predigt Mohammed, dass die Menschen die Schöpfung und andere Lebewesen um sich herum achten müssen. Tiere sollen nur so weit benutzt werden, wie man sie zum Überleben braucht. Sie sind nicht einfach unbelebte Gegenstände, sondern sterbliche Seelen, die am jüngsten Tag gemeinsam mit den Menschen auferstehen werden. Da Tierprodukte heutzutage eher Luxusgut, als Überlebensgut sind, herrscht demnach eigentlich keine Notwendigkeit Tiere weiter ihrem Leben oder ihrer Würde zu berauben. Zudem sehen viele Muslim:innen, aufgrund der Gleichwertigkeit von Mensch und Tier, in Verzehr von Tieren einen Widerspruch: Wieso sollte eine Spezies eine andere essen? 

Der Koran erlaubt vegane Ernährung

Im Koran ist demnach genau benannt, welche Lebensmittel erlaubt und rein („halal“) oder verboten („haram“) sind. Alle Handlungsweisen, die verboten sind, werden eindeutig als diese benannt. So ist beispielsweise der Verzehr von Alkohol, Schweinefleisch oder nicht halal-konform geschächteten Fleisch, als „haram“ gekennzeichnet. Die Erlaubnis zum Verzehr einzelner Lebensmittel liegt im Islam auch vor, soweit sie nicht expliziert im Koran als verboten benannt werden. (Vgl. Suzann Prager) So heißt es im Koran: „Ihr Menschen! Eßt von (alle)dem, was es (an Eßbarem) auf der Erde gibt, soweit es erlaubt und gut ist!“. Die erlaubten und guten Dinge, mit denen Allah die Menschheit versorgt hat, sollen also unbedingt konsumiert werden.

So finden sich in der heiligen Schrift keine klaren Aussagen gegen vegane Ernährung. Demnach sind grundlegende vegane Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Getreide und andere pflanzliche Lebensmittel definitiv „halal“. Fleischkonsum wird hingegen im Koran, mit der Ausnahme von Schweinefleisch, legitimiert. Demnach muss auch der Konsum von „halal“ Fleisch von veganen Muslim:innen akzeptiert werden, ebenso aber auch die vegane Lebensweise von Gläubigen, die Fleisch zu sich nehmen. 

Milu Vegan Produkte halal
Milu Vegan Produkte halal

Darüber hinaus bleibt die Skepsis über die Halal-Zertifikate in Europa. Da bei der Schlachtung oft gepfuscht wird, ist nicht jedes Fleisch auf dem „halal“ steht mit Sicherheit „halal“. Daher sind vegane Fleischalternativen wie Seitan eine sichere Art und Weise sich „halal“ zu ernähren und lösen das Problem einer unsicheren Koran-konformen Ernährungsweise. Die Übergänge zur Bezeichnung „halal“ bei veganen Lebensmitteln sind fließend. Pauschal kann aber gesagt werden, dass Seitan zwar kein eigenes Halal-Siegel zugesprochen wird, es aber durch seine Inhaltsstoffe als „halal“ bezeichnet werden kann. So bietet es Muslim:innen eine gewissensvolle Alternative zum Fleischkonsum.

Halal Fleischersatzprodukte hier bestellen